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Photo | Primula Bosshard
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Rauminstallation „Flut“ von Christiane Hamacher
Bilder stürmen die ruhige Apsis der Berner St. Peter und Paul Kirche, sie brechen ein aus einem urbanen Jenseits der schützenden
Kirchenmauern. Meditation und Vertiefung der Kirchenbesucher werden vom malerischen Getöse berstender Wasser und aufflackernder
Bildfetzen erschüttert. Es sind die Spuren des entbändigten Wassers, unsteter Aggregatszustände, die als gewaltige Bildfragmente
in grossen Bahnen die Apsis zu einem Bühnenkörper zusammenziehen. Die Natur übernimmt hier den Drive der schnellen Zeichen,
der unzähligen Bildinformationen und schrillen Farben des kommerziellen Lebens, die täglich unsere Sinne umrauschen. Fast scheint
uns der Bildereinbruch gegen die Rückwand zu peitschen - mit dem Rücken zur Wand stehen wir und halten inne: die Kirche kennt
eine lange und streitvolle Geschichte in der Auseinandersetzung mit dem Bild. Die alten Reformatoren hatten gewarnt und die Bilder
aus Kirchen verbannt, zu gross war die Angst vor den Irrtümern, die im Ab-Bild stecken können. Christiane Hamacher greift den alten
Bilderstreit auf und transformiert das Phänomen des überwältigenden Bildes in das Medienzeitalter. Ähnlich wie in früheren Werken
tastet sie sich in ihrer aktuellen Arbeit an die Frage der Wahrhaftigkeit bildnerischer Erscheinungen an und schafft sensibel eine
Brücke vom gewaltigen Naturbild hinüber zur medialen Bilderflut in der Stadtlandschaft. Bei diesem Transfer treffen sich Fragen nach
der individuellen Bedeutung eines Bildes und seiner gesellschaftspolitischen Wirkkraft - ein für Hamachers Werk typischer Ansatz
der künstlerischen Recherche, der Unsicherheiten zulässt. Aufgewühlte Natur wird zum Gradmesser der Beunruhigung, die in einer
Gesellschaft, und hier ganz speziell auch in der Kirche herrscht. So verwickeln die Arbeiten den Betrachter in einen emotionalen und
gleichzeitig analytischen Prozess: Ist das Gesehene wahr? Ist es zufällig? Ist es ein Einzelfall? Ist es vorübergehend oder ist die Gefahr
andauernd?
Auch rückt die Naturdarstellung in die Nähe der Allegorie und korrespondiert mit den Jugendstil-Motiven in den Deckenmalereien der
Kirche. Die künstlerische Strategie, von einer Momentaufnahme auf einen gesellschaftlichen Zustand überzuleiten, verfolgte
Christiane Hamacher bereits in früheren Arbeiten, insbesondere in den Projekten und Installationen, die sie mit der Berliner Künstlergruppe
significans und mit der Fribourger Gruppe Charlatan realisierte.
Mit der neuen Installation in St. Peter und Paul schafft Christiane Hamacher eine enge ästhetische und thematische Verzahnung getrennter
Welten: mediale Wirklichkeit mit ihrer sozialen Sprengkraft bricht ein in die Apsis, jedoch bietet der religiöse Raum ungeahnte
Ressourcen, um mit Konzentration und Reflexion gegen den Ansturm zu reagieren.
Barbara Meyer
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